Albkitz
02.09.2025
Hüttentour Albkitz Paznauntal ins Engadin
Von der Silvretta durchs Engadin nach Südtirol durchstreifen wir Gebiete von außergewöhnlicher, landschaftlicher Schönheit – ein Genuss für jeden Bergfreund!
Dieser „Traumweg“ für jeden Bergwanderer bewegt sich in einer durchschnittlichen Höhe von 2.300 Metern.
Erleben Sie die großartige Fernsicht und genießen Sie auf den beschaulichen Hütten die Engadiner und Südtiroler Köstlichkeiten.
So war die Botschaft an die Albkitz-Gruppe, und fünf Familien, 10 Eltern und 10 Kinder nahmen die Herausforderung an und waren gespannt, was sie da erleben würden.
Dienstag, 02.09.2025
13,8km, 4h15, h 870hm
Den Start haben wir uns doch etwas anderst vorgestellt. Dicke Regenwolken lagen über Ischgl. Mit dem Blick auf die verschneiten Bergspitzen ahnten wir schon auf der Anreise, dass wir uns nun warm anziehen müssen. Hier galt nun mehr denn je: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte....... Und gut eingepackt starteten wir pünktlich und mit guter Laune los.
Das Paznauntal und insbesondere Ischgl lebt mit und von zwei totalen Gegensätzen. Einerseits mit einer herrlichen Gebirgslandschaft gesegnet, andererseits dem maximal ausgeschöpften Kommerz des Wintertourismus mit Bahnen und planierten Pisten. So lernten wir am ersten Tag gleich beide Seiten kennen.
Vom Parkplatz ging es durch die Ischgler Unterwelt, staunten im Dorftunnel über die komfortablen Rollbahnen und Aufzügen, bis wir dann plötzlich oberhalb der Dorfkirche ans Tageslicht kamen. Hier standen wir wieder auf dem Boden der Tatsache, dass es von nun an mit den eigenen Beinen und dem Rucksack weiter ging.
Steil ging es zum Kalvarienberg hoch, wurden aber dafür mit einem schönem Blick über Ischgl belohnt. Nach einem weiteren Steilstück erreichten wir den Beginn des „Way of Lyrics“. Hier sind drei der Stars verewigt, die schon mal bei den Winter-Konzerten auf der Bergstation dabei waren.
Spektakulär der Auftakt: Eine Hängebrücke über die Fimba-Schlucht gilt es zu überqueren. Dann erreicht man ein hölzernens Raumschiff, an dem die Kinder Ihren Spass hatten. Mit einer Kurbel wurde der Dynamo angetrieben, damit aus der Box „Sting“ uns mit seinen Liedern beglücken konnte. Nun ging es Schlag auf Schlag(er). Als nächstes folgte eine weitere Hängebrücke und dann saßen die Kinder alle mal auf dem Motorad, mit dem ein unbekannter Sänger (wer ist Udo Jürgens??) mit 66 Jahren als cooler Opa mit der Oma in die Disco fährt.
Unter den Regenschirmen von Rihanna geschützt gab es die erste kleine Vesper, bevor man gleich anschließend an der Pardatsch-Kapelle noch die Mittagsbrotzeit genoss. Abseits der Straße ging es nun an den wunderschönen Schwarzwasser- und Pardatschseen vorbei zu einem Abenteuer-Spielplatz. Selbst mache der Eltern mussten unbedingt noch auf den Kletterfelsen und so merkte man den ganzen Tag gar nicht, welch schlechtes Wetter eigentlich um uns rum war.
Nach der Sichtung im Wald von Steinbock, Gems und Co, die idealerweise als Gummi-Fotomotiv vom Bogen-Verleih aufgestellt wurden, nahmen wir die nächste geplante Station Bodenalpe ins Visier, bevor es dann den langen, etwas öden Talweg weiter gehen würde. Doch als unerwartet zwei Bergtaxis entgegen kamen, stoppte der Wanderführer diese und alle Kinder mit 3 Erwachsenen hatten das Glück, den Weg bis zur Schweizer Grenze damit abzukürzen. Von da ging es noch ca. eine Stunde zum ersehnten Tagesziel Heidelberger Hütte auf 2264 m Höhe.
Die anderen Sieben durchschritten im Speed-Gang das Tal, auch wenn der Wanderführer ermahnte, dass langsames Gehen besser für die Akklimatisation wäre. Zu sehr lockte der Cappucino in der warmen Hütte. Der Luis, unser Hüttenwirt hatte mit seiner bestimmten, aber lustigen Art die Kinder gut im Griff. Und so freuten wir uns alle sehnlichst auf das Essen. Man kann sich sicher darüber streiten, ob ein 4-Gänge-Menü auf einer Berghütte sein muss. Wenn jedoch der Gruß aus der Küche mit gerolleter Zuchini auf Fimberstein serviert wird, genießt man dann doch den Ausklang eines erlebnisreichen Tages.
Müde und mit vielen Eindrücken wurde die Hüttenruhe um 22 Uhr gerne angenommen.
Mittwoch, 03.09.2025 - Auf zu neuen Höhen
14km, 7h50, h+r 760hm
Spätestens nach dem zweiten Kaffee waren dann die Eltern wach, auch wenn das Frühstück schon um 06:30 angeboten wurde. Ja, die Matratzenlager sind für manche immer wieder eine Herausforderung. Hinzu kam da noch die Anspannung, denn bei der Tourenbesprechung am Vorabend schlug unser Wanderführer aufgrund der stabilen Wetterlage ein außergewöhnliches Alternativprogramm mit ungewissem Ausgang vor.
Doch wir Dußlinger Albkitze haben uns noch von keinem Abenteuer abschrecken lassen. Und da unser Wirt Luis es erlaubt hat, füllten wir die Köstlichkeiten des Buffets noch in unsere Brotzeitbeutel, denn ohne Mampf kein Stampf und wer weiß, was heute noch so kommt. Leider hatten Drei aus unserer Gruppe keine große Freude am Frühstück. Ob es die Höhe war oder der Aufprall beim Versteck-Spiel, hier war Erholung für den nächsten Tag angesagt.
Es war noch ziemlich frisch, als der Troß sich in Bewegung setzte. Nur die Spitzen des Fluchthorns leuchteten bereits in der Sonne. Gern wären die Kinder vornweg gesprungen, doch wurden sie immer wieder vom Wanderführer mit vielen Entdeckungen ausgebremst. Hier heißt es „Langsam gehen, wenn man ankommen will“ und so freute sich jeder, als auch uns die Sonne kitzelte. Auch wenn die Blütezeit schon lang vorbei war, gab es doch hin und wieder Neues zu entdecken.
Büschel- und Fransen-Enzian, die bärtige Glockenblume, der Schweizer Löwenzahn usw. wurde per Flüsterpost von ganz vorne bis hinten verbal durchgereicht. Als noch der Stengellose- und der Tüpfel-Enzian gesichtet wurde, verdrehten dann nicht nur die Kinder die Augen. Beim ersten Wasserfall wurden die erste „kurze Trink- und Genießer-Pause“ eingelegt, die jedoch durch den obligaten Staudamm-Bau dann doch etwas ausgedehnt wurde.
Vor dem ersten Steilanstieg rief der Wanderführer die Kinder zusammen. Wir brauchen ja ein Gedicht für das Gipfelbuch. Das übernahmen Anna und Valentin. Und damit die Wanderer den Weg bei Schneefall erkennen, ist es wichtig, die „Stoamandl“ zu pflegen oder neue zu erschaffen. Und um so steiler nun der Anstieg wurde, um so intensiver wurde gedichtet und wuchsen die Steinmänner in die Höhe. Nach der 11. Strophe sind wir, fast ohne es zu bemerken, unterhalb des Kronenjochs angekommen.
Unter uns leuchtete noch der letzte Rest des ehemaligen Gletschers. Es waren anscheinend noch genug Kräfte vorhanden, denn im Steinwurf-Wettbewerb flogen diese fast über das ganze Schneefeld. Doch bevor die letzten Körner verschossen werden, ging es nun, fest den Gipfel im Auge, nochmals steil und mühsam empor. Dann, nach rund vier Stunden standen wir auf der 3079 m hohen Breiten Krone. Während die Kinder das Versteck des Gipfel-Buches suchten, waren wir Eltern überwältigt von der grenzenlosen Rundum-Sicht. Wildspitze, Weißkugel und der Piz Palü leuchteten ihr Weiß entgegen und erst hier oben versteht man, dass manch einem die „BergSehnSucht nimmermehr in Ruh“ läßt.
Zu lange halten wir uns nicht auf, denn die ersten Anzeichen der Höhe mit leichtem Kopfweh und Übelkeit kommen bei einigen auf. Doch bevor wir den Abstieg antreten, verewigen wir uns stolz mit einem gemeinsamen Gipfelfoto. Für viele von uns der erste Dreitausender, und vermutlich ist Felix mit seinen sechs Jahren der jüngste Dußlinger, der je einen „Dreier“ selbst bestiegen hat.
Der Abstieg ging schnell vonstatten. Wurde doch den Kitzs versprochen, unten am Fluß den Staudamm weiter bauen zu lassen. Und bis wir diesen erreichten, haben sich die Symptome der Höhenkrankheit wie erwartet, in der sauerstoffreicheren Luft aufgelöst. Von hier machten die zwei Groß ́en Männer noch einen „Abstecher“ zum 3179 m hohen Piz Tasna, der nur über weglosem Gelände erreicht werden kann. Was für eine Leistung!
Unseren verbliebenen Hütten-Patienten ginge es wieder hervorragend. Und so sah man bei der Tourenbesprechung nach dem Abendessen in müde, aber rundum zufriedene Gesichter.
Donnerstag, 04.09.2025, Von der Silvretta ins Engadin
12,3km, 5h22, h 340hm r 870hm
Kurz nach acht startete der Albkitz-Express zunächst Richtung Osten munter den Berghang hinauf. Als die Betriebstemperatur und der erste sonnige Platz erreicht wurde, lockerte uns Eva im Morgenkreis mit wohltuenden Übungen durch, besannen uns rückblickend wie ein Adler auf das bisher Erlebte und mit der Kraft der Berge waren wir selbst erstaunt, mit welcher Leichtigkeit wir anschließend den Fimberpass mit 2609m erreichten. So im „Flow“, war es doppelt schade, dass dies unser letzter Wandertag war.
Ursprünglich geplant hatten wir die Durchquerung der legendären Uina-Schlucht tags darauf. Ein heftiges Unwetter aber hatte vor ein paar Wochen den Zugang verschüttet. Um so intensiver nahmen wir heute nochmals die Schöpfung Gottes in uns auf. Mit der Felspyramide des Piz Tschütta vor Augen eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch. Danke, dass wir dass erleben dürfen.
Zunächst ging es steil bergab. Unsere Kitz, mittlerweils zu Gemsen mutiert, waren kaum zu bremsen. Nur beim nächsten Staudammbau unterm Wasserfall konnten wir Eltern unsere Brotzeit still genießen. Dann biegen wir nach Süden ins Tal „Val Sinestra“ ein. Ein weiterer Wasserfall kühlt die Hitzköpfe unter uns runter. Es ist ein Geschenk, hier zu sein.
Günstig ist es allerdings nicht. Wenn man jedoch die mühsame Arbeit eines Hüttenwirtes in Betracht zieht und weiß, wieviel eine Lizenz für ein BergTaxi kostet, dann ist der Preis es auch Wert. Da rechnet man besser nicht nach, wie lange man dafür arbeitet, sondern wofür. Denn solche Erlebnisse, zusammen mit seinen Kindern einen Dreitausender zu besteigen, wird man ein Leben lang nicht vergessen und sind deshalb einfach unbezahlbar.
Vor der Alp Griosch öffnet sich nun langsam das Tal und ein Meer von Herbstzeitlosen begrüßt uns in die neue Jahreszeit. Weiter sanft absteigend bewundern wir die Felspyramiden und geniessen dann die Einkehr im Hof Zuort. Von dort lassen wir uns durch das langgezogene Tal mit zwei Bergtaxis zu unserer Herberge nach Sur-En chauffieren.
Beim Abendessen in der besten Pizzeria des Engadins genießen wir den Abschluß unserer wunderschönen Tour. Doch es gab noch eine weitere Überraschung. Das Frühstück der Pensiun Lischana war derart überragend, dass wir jedem diese einfache, aber herzliche Unterkunft nur empfehlen können. Mit dem Bus ging es zurück nach Ischgl.
Mit einer Runde Eis bedankte sich der Wanderführer bei den Kindern. Und die Kinder mit einem besonderem Tropfen beim Wanderführer.
Liebe Albkitz, ihr könnt stolz auf Euch sein. Denn ihr seid die zweitbeste Wandergruppe auf dieser Welt.
Vielen Dank Andreas für diese tolle Tour.